Marxistische Ethik und die Forderungen aller Ideologien und Religionen stellte Joseph Breitbach unermüdlich auf den Prüfstand, nach >Rot gegen Rot< insbesondere in >Bericht über Bruno<, in seinem Theaterstücken >Requiem für die Kirche< und >Hinter dem Vorhang oder Genosse Veygond> und in der Erzählung >Lärm<.
Seine politische Haltung bezog sich immer auf den Menschen und dessen Bedürfnisse. So revidierte er seine anfängliche Begeisterung für den Marxismus, von dem er sich schon 1929 trennte. Illusionen hatte er keine.

>Religion oder Marxismus sind um des Heils der Gläubigen willen da, die Gläubigen aber nicht um dieser beider Kirchen willen und deren Endsieg.< Programmheft >Requiem für die Kirche<, Theater Augsburg, 18.Oktober 1971

>Für mich kann es überhaupt nur einen korrigierten Kapitalismus und einen korrigierten Sozialismus geben. Alles andere halte ich heute für abwegig.< Interview am Bayerischen Rundfunk, gesendet am 26.November 1972

>Reformen können aus moralischen Motiven, sie können aber auch aus klugem Kalkül gemacht werden. Wer läßt sich nicht lieber die Haare scheren, als den Kopf abschlagen! Die Strukturen jeder Gesellschaft sind reformfähig. Nur der Mensch nicht. Beweis: Die industrielle Gesellschaft hat sich unzweifelhaft im letzten Jahrhundert reformiert, ob freiwillig oder unter Sachzwängen ist dabei gleichgültig. Nur das Wesen des Menschen hat sich nicht geändert.<
Interview für Programmheft >Hinter dem Vorhang oder Genosse Veygond<, Ernst-Deutsch-Theater, Hamburg, April 1977

Diese Homepage zu Person, Werk und Stiftung des deutsch-französischen Schriftstellers Joseph Breitbach (1903-1980) nutzt als Quelle die in seinem literarischen Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach zur Verfügung stehenden Dokumente wie Korrespondenzen, Tagebücher und Aufzeichnungen und wird betreut von den Herausgebern der 2013 abgeschlossenen Breitbach-Werkausgabe, der Germanistin Alexandra Plettenberg-Serban und dem Verwalter des literarischen Nachlasses Wolfgang Mettmann.

Stach Reiner Stach

Breitbach-Preisträger 2016
Foto: Jürgen Bauer
Begründung der Jury als PDF

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Buch



Der Briefwechsel Joseph Breitbachs mit Jean Schlumberger erscheint im Frühjahr 2017 im Verlag Matthes & Seitz, Berlin. Der Briefwechsel erstreckt sich von 1931 bis 1968. Jean Schlumberger, Schriftsteller und Mitarbeiter des Figaro, war mit André Gide Mitbegründer der Nouvelle Revue Française. Die Herausgeber der Breitbach-Gesamtausgabe, Alexandra Plettenberg-Serban und Wolfgang Mettmann, haben die Briefe aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt und kommentiert.

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breitbachbild JOSEPH BREITBACH

Das Warum und die Tendenzen meines Schaffens lassen sich in einem Wort ausdrücken: Entlarven. Mein Ziel ist, jeder Erscheinung den Mantel wegzureißen, den sie sich umgelegt hat, weil jede Erscheinung etwas zu verbergen hat.
IN: DIE KOLONE 1929